Mindelheimer Zeitung v. 10.12.2015: Mit Pfeife und Klemmbrett

Sie kochen, sie waschen, sie musizieren, sie trainieren, sie beraten und sie helfen: Viele Unterallgäuer nehmen sich Zeit für andere oder setzen sich für ihre Mitmenschen ein. In der Vorweihnachtszeit möchten wir an jedem Tag einen dieser „Engel des Alltags“ vorstellen und würdigen. Die Porträtierten stehen auch stellvertretend für die vielen anderen Freiwilligen, die jeden Tag ehrenamtlich etwas Gutes tun.

Thomas Sailer ist trotz seiner 17 Jahre beinahe schon unverzichtbar für die Handballabteilung des TSV Mindelheim. Dabei überlässt er nichts dem Zufall.

Klar ist er schon als Erster da: Die Dreifachturnhalle des Mindelheimer Maristenkollegs ist schließlich so etwas wie das Wohnzimmer von Thomas Sailer. Der 17-jährige Gymnasiast verbringt hier nicht nur seine Schulsportstunden, sondern spielt hier auch Handball. Doch damit nicht genug: Thomas Sailer trainiert auch noch eine Jugendmannschaft des TSV Mindelheim und pfeift als Schiedsrichter Handballspiele. Handball ist sein Leben – und daran will er auch andere teilhaben lassen.

„Seit zwölf Jahren spiele ich Handball“, sagt er. Seit drei Jahren ist er Trainer der E-Junioren und Schiedsrichter. Er hat also früh angefangen, Verantwortung zu übernehmen. Ganz so, wie sein erster Jugendtrainer. „Als ich anfing, war Roman Karlstetter mein erster Trainer. Ich fand das gut, dass nicht immer nur alte Hasen, sondern auch junge Spieler eine Mannschaft trainieren“, sagt Sailer.

Seit der B-Jugend führt er die Mindelheimer Mannschaft an

Verantwortung liegt ihm: Seit der B-Jugend ist er der Kapitän der Mindelheimer Mannschaft. Zuletzt wurde er vor dieser Saison von seinen Teamkollegen als A-Jugend-Kapitän auf beinahe nordkoreanische Weise wiedergewählt. Vor einem Training im Mai stellte Thomas Sailer seinen Mannschaftskollegen die Kapitänsfrage: „Wer ist für mich?“ Sämtliche Hände gingen nach oben, die Wahl war entschieden. Sailer, der in der Schule Klassensprecher und Tutor war, war wieder Kapitän. Dabei ist es nicht so, dass Sailer einen ausgeprägt herrischen Charakter hätte. Im Gegenteil: Er ist einfach einer, der anpackt, wenn er sieht, dass etwas zu machen wäre.

„Er ist zwar erst 17 Jahre alt, aber ohne ihn wären wir schon ganz schön arm dran“, sagt etwa Alexander Weikmann. Er ist Sportlicher Leiter der Mindelheimer Handballer und weiß, was er an einem wie Thomas Sailer hat. „Er ist immer da, wenn man ihn braucht.“

Das entspricht Sailers Naturell. Aufgewachsen als jüngstes von vier Kindern hat er früh die Vorteile des Miteinander erlebt. Und weiß auch, wie er die jungen Spieler anpacken muss. „Als ich angefangen habe, war es schon noch sehr kumpelhaft. Das darf man aber nicht einreißen lassen, sonst meinen sie, sie können sich alles erlauben“, sagt Sailer. Prompt kommen die ersten Nachwuchsspieler in die Halle und fragen gleich nach den Bällen.

Die Handballabteilung hat sich gemausert

Zwei von ihnen bringen zwei Freunde mit, die sich das Handballtraining einmal ansehen wollen. Auf diese Weise funktioniert es derzeit recht gut beim TSV Mindelheim. Nach einer zwischenzeitlichen Durststrecke vor einigen Jahren hat sich die Handballabteilung richtiggehend gemausert. Im Jugendbereich sind derzeit neun Mannschaften in allen Altersklassen im Spielbetrieb. Allein bei den E-Junioren tummeln sich bei Thomas Sailer und seinen beiden Mitstreitern, Maximilian Moser und Christina Möhrle, rund 25 Spieler. Daran haben auch die vielen jungen Spieler, die sich für die Geschicke der Handballabteilung einsetzen, ihren Anteil. Spielern, wie Thomas Sailer eben. „Ich habe jetzt nicht mehr so viel Freizeit“, sagt der Gymnasiast, der im kommenden Jahr das Abitur anstrebt. „Aber bisher ist das noch machbar“, sagt er.

’Das’ bedeutet in seinem Fall das eigene Training mit den A-Junioren, sein Traineramt bei den E-Junioren samt dem ganzen Organisatorischen wie Trainingspläne erstellen („Ohne geht es nicht, man will den Nachwuchs ja auch voranbringen.“), Fahrer für Auswärtsspiele zu suchen, sich für Turniere anzumelden, eigene Turniere auszurichten, und vieles mehr. „Die ganze Woche ist eigentlich für Handball ausgebucht“, sagt er.

Gut, dass da seine zweite Leidenschaft meist am Freitag- oder Sonntagabend stattfindet, wenn Training und Spiele vorbei sind. Dann fährt der Eishockeyfan zu jedem Heimspiel des ESV Kaufbeuren. Wenn sich dann doch einmal Handball und Eishockey überschneiden sollten, geht natürlich der Handball vor. Denn: „Ohne Ehrenamt kann es keinen Verein geben. Man hat ja keinen großen finanziellen Spielraum“, sagt er bevor er seine E-Junioren mit einem Pfiff aus der Trillerpfeife zusammenholt.

Bevor das Training nun losgeht sagt Sailer noch etwas, das sein ganzes Engagement gut zusammenfasst: „Man muss auch wissen, dass man ein Amt hat.“ Keine Frage, Thomas Sailer weiß es.

 

Quellenangabe:

Mindelheimer Zeitung vom 10.12.2015

http://www.augsburger-allgemeine.de/mindelheim/Mit-Pfeife-und-Klemmbrett-id36312257.html

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